Mit dem 1:0 gegen agile Belgier gelingt der deutschen Nationalmannschaft ein erfolgreicher Start in die EM-Qualifikation. So rauschhaft wie bei der Weltmeisterschaft spielt das Team dabei nicht.
Nicht, dass die Belgier es nicht bis zum Schluss versucht hätten. In den letzten 20 Minuten wechselten sie drei neue Leute ein, sie spielten gefällig, sie schossen, drückten, drängten und rannten, aber ein zählbarer Erfolg entsprang ihren Mühen nicht. 0:1 (0:0) unterlagen sie der deutschen Nationalelf, der damit ein guter Start in die EM-Qualifikation gelungen ist. Es war, was man im Fußball einen Arbeitssieg nennt, gegen die fleißigen Belgier hatte sich die deutsche Elf schwergetan, aber schließlich aufgrund ihrer größeren Erfahrung gewonnen. Und vielleicht auch, weil endlich die Zeit des Redens vorbei ist.
Nach den Diskussionen der vergangenen Wochen war ja fast zu erwarten gewesen, dass die Deutschen die Belgier nach dem Anpfiff zunächst zum Gesprächskreis bitten würden, um doch noch einmal wirklich alle Aspekte der deutschen Kapitänsfrage auch aus internationaler Sicht zu erörtern. Belgiens Kapitän Thomas Vermaelen hätte zum Beispiel davon erzählen können, wie es ist, die Binde zu tragen, obwohl ein anderer, Marouane Fellaini, der Chef auf dem Platz ist. Fellaini wiederum hätte davon erzählen können, wie es sich mit dieser wahnsinnig gut aussehenden Afro-Frisur lebt, die sein Haupt hoch überwölbt und zu den Himmeln strebt. Das hätte zwar wenig bis nichts mit der deutschen Kapitänsfrage zu tun gehabt, wäre aber mindestens ebenso interessant gewesen. Jedoch: Niemand bildete einen Gesprächskreis, alle spielten sofort munter los.
Die deutschen Scouts hatten vor der Partie herausgefunden, dass der 22 Jahre Fellaini und der 17 Jahre alte Romelu Lukaka die wohl besten Spieler des belgischen Teams sind. Fellaini ist, wie gesagt, an der Frisur zu erkennen (bei seinem Klub, dem FC Everton, verkaufen sie Fellaini-Perücken im Fanshop), Lukaka daran, dass er trotz seines jugendlichen Alters auf dem Platz die Präsenz eines Sprinters verströmt, der auch als Schwergewichtsboxer gut zurecht käme. 93 Kilogramm wiegt er, und wehe, diese Masse kommt einmal in Bewegung. Bereits nach neun Minuten deutete er sein Potential an, als er sich im Mittelfeld den Ball nahm und aus 25 Metern aufs Tor jagte, Torwart Manuel Neuer brachte seine Fäuste noch an die Kugel. Drei Minuten zuvor hatte sich auch Fellaini schon bekannt gemacht, als er aus neun Metern links vorbeischoss. Belgien spielte zunächst besser als Deutschland.
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Im Team von Joachim Löw durfte Holger Badstuber neben Per Mertesacker in der Innenverteidigung spielen. Der erst dafür vorgesehene Heiko Westermann kam erst zur zweiten Halbzeit und ersetzte Marcell Jansen als Linksverteidiger. Für Mertesacker hatten sich die Belgier eine kleine Überraschung ausgedacht: Sie griffen ihn nicht an. Immer wieder lief Mertesacker, er lief und lief bis in die Hälfte der Belgier, die alle Passwege verstellten - aber eben nicht angriffen. Die Idee dahinter war nicht schlecht: Mertesacker sollte aus der Abwehr gelockt werden, das Spiel der Deutschen eng machen und, wenn er dann doch angegriffen wurde, mit einem Risikopass den deutschen Angriff eröffnen. Ein sehr ähnliches Modell hatten sich bei der WM die Serben ausgedacht und damit Erfolg gehabt; sie gewannen in der Vorrunde 1:0.
Viele nennenswerte Chancen erspielte sich die deutsche Elf nicht in der ersten Hälfte, die beste wirkte wie direkt aus der WM herüberkopiert: Lukas Podolski spielte zu Thomas Müller, der legte ab für Mesut Özil, und der hatte zwar viel Zeit, den Ball aus 16 Metern im Tor von Logan Bailly unterzubringen, doch sein rechter Fuß ist nun einmal deutlich schlechter als sein linker; der Ball flog hoch in die Nacht (19. Minute). Was Chancen anging, hatten die agileren Belgier allerdings auch nicht viel mehr zu bieten; einmal stand Lukaku frei vor Neuer, allerdings befand er sich im Abseits (36.).
Allzu viel änderte sich in der zweiten Halbzeit nicht am Spielverlauf, die deutsche Elf deutete jedoch immer wieder einmal ihre Klasse an, was stets so unverhofft und angenehm überraschend wirkte, wie ein Sonnenstrahl, der am grauesten Tag den festen Himmel durchsticht. Zum Beispiel in der 51. Minute: Schweinsteiger setzte am Sechzehnmeterraum unermüdlich nach, was dazu führte, dass er den Ball zu Thomas Müller spitzeln konnte. Der rechnete einsteinschnell die Rasenbeschaffenheit, den Lichteinfall und den Laufweg von Miroslav Klose in eine Gleichung, der gemäß er den perfekten Pass spielte. Klose musste die Kugel dann nur noch zum 0:1 ins Tor schißen, was er gelassen tat.
Oder in der 70. Minute, als Philipp Lahm im Strafraum auf Müller spielte, der Bailly zu einer Parade zwang. Ansonsten aber lieferten die Deutschen vor allem solide Arbeit ab, und mehr hatte auch niemand ernsthaft erwartet. Bis das Team wieder so rauschhaft aufspielt wie in manchen Partien der Weltmeisterschaft, dauert es noch eine Weile, und so ein leichter Leistungsabfall ist so kurz nach großen Turnieren vollkommen normal. Die große Leistung bestand am Freitagabend darin, trotzdem zu gewinnen.<<<< |